LNG – Flüssiggas

Den Plan, flüssiges Erdgas nach Deutschland zu importieren, gibt es zwar, er wird allerdings noch nicht in die Tat umgesetzt. Denn dazu fehlen noch Genehmigungen. E.ON Ruhrgas möchte in Wilhelmshaven, beim Industriegebiet Voslapper Groden, ein Hafenterminal für verflüssigtes Erdgas  (LNG) bauen. Nun hofft der Energiekonzern, dass es nächstes Jahr (2009) mit dem Baubeginn klappt.

Ein italienischer Anlagenbauer steht schon in den Startlöchern und wartet auf das Zeichen. Eigentlich unverständlich, warum sich das Ganze in die Länge zieht, könnte Deutschland doch mit dem Flüssiggasimport seine Abhängigkeit von russischem Gas verringern. Im Nahen Osten, Afrika und Asien ist man mit dem Bauen schneller. Mittlerweile sind etwa 270 Spezialschiffe rund um den Globus unterwegs, um die steigende Nachfrage zu stillen. Ein Grund für den Erfolg des LNG sind die gesunkenen Kosten für den Seetransport gegenüber dem Transport über Pipelines.

Das Geschäft läuft so gut, das sogar schon 150 neue Tanker bei den Werften bestellt sind. Davon werden etwa 70% von koreanischen Werften gebaut. Ein Viertel des weltweit gehandelten Gases ist schon in flüssiger Form unterwegs. Füssiges Gas lässt sich besser transportieren als solches im natürlichen Zustand. Hierfür wird es auf minus 161° Grad gekühlt, woraufhin aus 600 Kubikmetern schnell ein einziger wird. Rund 200.000 m³ LNG kann ein über 300 m langer Tanker aufnehmen.

Ein Drittel des LNG wird von Japan gekauft, weil es aufgrund seiner Insellage keine Pipelines legen kann. Spanien, Südkorea und die Vereinigten Staaten von Amerika sind weiter große Abnehmer des flüssigen Gases. Auf der anderen Seite stehen die großen Verkäuferländer Indonesien, Katar, Malaysia und Algerien. Das LNG in Deutschland auf wenig Gegenliebe stößt, mag daran liegen, dass bereits mit der Ostseepipeline, Nabucco und South Stream weitere Möglichkeiten des Gasimports gegeben sind und deshalb als überflüssig erscheint.

Dabei würde die Berücksichtigung des LNG dem Wettbewerb gut tun. Denn der teure Pipelinebau mit den langfristigen Lieferverträgen verhindert man einen solchen. Gas ist in Europa und Asien an den Ölpreis gekoppelt und somit nicht frei handelbar. Auch LNG wird noch mit langfristig geltenden Lieferverträgen verkauft. Ein der OPEC nachempfundenes Gaskartell, wie es einigen Staaten vorschwebt, um z.B. die Veranhandlungsmacht der EU zu brechen, würde das Flüssiggas stärken.

Kanzlerin Merkel warb bei ihrem ersten Algerienbesuch im Juli diesen Jahres für eine enge Gaspartnerschaft. Dabei hatte sie wohl das Flüssiggas im Auge. Bis jetzt besteht zwischen Deutschland und Algerien kein Liefervertrag für Gas, dafür aber beim Erdöl.
Flüssiggas wird inzwischen auch zum Antrieb von Autos genutzt. Es ist etwa halb so teuer wie Benzin. Nur leider ist die Versorgung noch nicht so gut ausgebaut, was sich allerdings nach und nach ändert.